top of page

Wie nähe ich eine donauschwäbische Babytracht?

  • 27. Juli
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 30. Juli

Eine Anleitung in Wort und Bild

 

Bei einem Cannstatter Volksfestumzug waren die Tanz- und Trachtengruppen der Donauschwaben in Baden-Württemberg zu Gast in Stuttgart. Der historische Festumzug durch die Gassen Bad Cannstatts bis zum Festgelände des Cannstatter Wasens stellt hohe Anforderungen an seine Teilnehmer. So muss jede und jeder eine Tracht tragen, die zum jeweiligen Gruppenbild passt.

 

Für den damals jüngsten Teilnehmer des Festumzugs – gerade einmal sechs Monate alt – wurde deshalb eine passende donauschwäbische Männertracht benötigt. Da jedes donauschwäbische Dorf seine eigenen Trachtenmerkmale besitzt, gibt es keine einheitliche Tracht, die sich einfach übernehmen ließe. Also machte ich mich auf die Suche nach einem Schnittmuster für eine Babyhose und eine Babyweste.


Diese Schnittmuster waren auch schnell gefunden. Ich habe mich für die Vorlage „Babyjeans mit Bündchen und Taschen “ und „Babyshirt mit kurzen Ärmeln“ aus dem Buch Nähen mit Jersey – kinderleicht von Pauline Dohmen entschieden. Dazu habe ich einen Body in Form eines Anzughemds gekauft, den mein Sohn unter der Weste getragen hat. Um das Ganze dann dem Gruppenbild anzupassen, habe ich die Tracht meines Mannes genommen und die Schnittmuster auf die Erwachsenentracht angepasst.




Anleitung für die Babyhose mit Bündchen in Größe 56


Material:

  • Stoff 1 (Hose): Jerseystoff in schwarz, 45 cm x 140 cm

  • Stoff 1 (Latz): Jerseystoff in schwarz, 12 cm x 10 cm

  • Stoff 2 (Bündchen): Stretchjersey in schwarz, 20 cm x 70 cm

  • Stoff 3 (Einfassung): Jerseystoff in rot, 20 cm x 2 cm


Nahtzugabe:

  • Alle Schnittmuster mit einer Nahtzugabe von 1 cm zuschneiden


Zuschnitt:

  • Stoff 1:

    • 1x „Babyhose“ in doppelter Stofflage

    • 1 x „Latz“ zum Aufnähen in 12 cm x 10 cm

  • Stoff 2:

    • 1x „Babyhose Bauchbündchen“ im Stoffbruch

    • 2 x Teile „Babyhose Beinbündchen“

  • Stoff 3:

    • 1 x Streifen aus rotem Jersey in 20 cm x 2 cm

 

Anleitung

  • Nun gibt es zwei Möglichkeiten, die Hose zu nähen:

    • Die Hosenbeine werden jeweils rechts auf rechts entlang der Innenbahnnähte aufeinandergelegt und zusammengenäht. Hier nicht die Nahtzugabe vergessen! Sonst sitzt die Hose etwas lockerer an den Beinen

    • Ein Bein wenden und rechts auf rechts in das zweite Hosenbein stecken und die Schrittnaht schließen.

    • Alternativ kann man den Stoff rechts auf rechts legen und zuerst die Schrittnähte schließen.

    • Anschließend die Schrittnähte ordentlich aufeinanderlegen, dass die Nähte sich in der Mitte treffen und den Stoff feststecken. Nun kann man in einem Zug die Innenbahnnaht schließen.

  • Für beide Varianten lässt sich sehr gut die Overlock Maschine oder ein Overlockstich verwenden. Bitte immer passendes Nähgarn benutzen, ich habe in meinen Bildern weiß benutzt, dass man der Beschreibung besser folgen kann.

  • Bauch- und Beinbündchen werden rechts auf rechts zusammengelegt und die kurzen Seiten, die offen sind, werden geschlossen, dass ein Ring, bzw. ein Schlauch entsteht.

  • Das Bündchen anschließend der Länge nach rechts auf rechts falten und an die Hosenbeine anstecken. Achtet dabei darauf, dass die Naht später innen in der Hose liegt.

  • Alles unter gleichmäßiger Dehnung einnähen und anschließend die Hose wenden.



Fertig ist eine Babyhose, die einer schwarzen Anzughose ähnelt. Manche Gruppen, haben aber andere Hosen, so wie mein Mann, die zusätzlich einen Latz haben, in dass das Sacktuch gesteckt wurde, um den Schweiß abzuwischen. Diese Hosen werden meistens mit den typischen donauschwäbischen Stiefeln getragen, während die normalen Anzughosen mit Anzugschuhen getragen werden.


  • Für den Latz habe ich den Abstand zwischen der Schrittnaht und der Bündchen Naht gemessen und eine schwarzes Rechteckt in der Größe 12 cm x 10 cm zurechtgeschnitten.

  • An die Außenseiten habe ich den roten Jerseystoff auf die rechte, schwarze Stoffseite angenäht, dann umgeschlagen und nochmals auf der Rückseite angenäht, dass ein roter Rand entstanden ist. Dies einmal glatt bügeln.

  • Abschließend wurde der Latz dann mit jeweils 1 cm eingeschlagenem Stoff auf die Front der Hose genäht.

  • Manche haben vielleicht ein rotes Tuch, dass sie durch den Latz ziehen können. Alternativ kann man aus dem roten Stoff auch ein Tuch schneiden, dass man vorne durch den Latz zieht.

 

Schwieriger wurde das Ganze dann schon bei der Trachtenweste, die zu der typischen Donauschwäbischen Männertracht gehört. Hierzu habe ich ein Schnittmuster von einem T-Shirt verwendet. Die Ärmel habe ich gänzlich weggelassen und das Vorderteil habe ich halbiert, sodass zwei Vorderteile entstanden sind.


Anleitung für die Trachtenweste in Größe 56

Material:

  • Stoff 1 (Körper/Rücken): Jerseystoff in schwarz, 45 cm x 140 cm

  • Stoff 1 (Körper/Brust): Jerseystoff in schwarz, 45 cm x 140 cm

  • Stoff 2 (Innenstoff): Satin, oder ein leichter Jerseystoff, Teile wie Stoff 1

  • Stoff 3 (Bündchen): Stretchjersey in rot, 10 cm x 40 cm


Nahtzugabe:

  • Alle Schnittmuster mit einer Nahtzugabe von 1 cm zuschneiden

  • Am Halsausschnitt ohne Nahtzugabe

  • Am Saum von Vorder- und Rückenteil je 3 cm Saumzugabe hinzufügen


Zuschnitt:

  • Stoff 1:

    • 1x „Babyshirt Rückenteil“

    • 1 x „Babyshirt Vorderteil“ in doppelter Stofflage

  • Stoff 2:

    • 1x „Babyshirt Rückenteil“

    • 1 x „Babyshirt Vorderteil“ in doppelter Stofflage

  • Stoff 3:

    • 1x „Bündchen“ 10 cm x 40 cm


Anleitung

  • Nachdem wir alle Teile ausgeschnitten haben, nehmen wir die Vorder- und Rückenteile, des Innenstoffs und legen diese rechts auf rechts aufeinander, dass die Seiten- und Schulterkante bündig liegen und nähen dann die Seiten und Schultern zusammen

  • Die Arme müssen natürlich offenbleiben, dass man das Kleidungsstück später wenden kann

  • Das gleiche Verfahren machen wir jetzt mit dem Außenstoff

  • Nun wird der Außenstoff einmal umgeschlagen und in den Innenstoff gelegt, dass sich die beiden Stoffe rechts auf rechts (also die schönen Seiten) anschauen

  • Nachdem die Teile aufeinander festgesteckt sind, dass die Nähte bündig aufeinander liegen, nähen wir einmal um die Weste rundherum und lass die Arme dabei wieder offen

  • Wichtig ist, dass der Stoff während des Nähes Kante auf Kante bleibt

  • Wenn die Weste einmal umrundet ist, dann wird diese durch eine der Ärmelöffnungen umgedreht, dass die rechte Stoffseiten nach außen zeigen

  • Nun mit den Händen in die Ärmelöffnung gehen und die Ecken und Kanten der Weste schön ausstopfen

  • Die Ärmelöffnungen nun einen guten Zentimeter einschlagen und gut mit Stecknadeln oder Klammern fixieren, dabei darauf achten, dass die Nähte wieder genau aufeinander liegen

  • Mit einem geraden Stich oder einem Zierstich einmal rund herum nähen und die Ärmelöffnungen auf beiden Seiten damit schließen



Viele Trachtengruppen haben diese Variante der Männerweste. In unserer Gruppe sind die Westen jedoch noch mit einem roten Band gesäumt, das von der Knopfleiste über den Kragen geht. Daher muss hier beim Zusammennähen von Vorder- und Rückseite noch ein Schritt eingefügt werden.


  • Hierzu die Bündchenstreifen jeweils rechts auf rechts zum Ring nähen und der Länge nach links auf linksfalten.

  • Um die Bündchen gleichmäßig gedehnt einzunähen, die Bündchen mit Stecknadeln in mehrere Abschnitte teilen

  • Anschließend die Bündchen mit den Markierungsnadeln aufeinander stecken und mit einem dehnbaren Stich annähen

  • Anschließend die Nahtzugabe in das Kleidungsstück legen und mit einem dehnbaren Stich steppen


Ich habe für meinen Sohn anschließend noch zwei Tasche auf die Weste und auf der rechten Seite silberne Köpfe von Hand aufgenäht. Auf Knopflöcher habe ich verzichtet, da in unserer Gruppe die Weste offen getragen wird. Ihr könnt diese aber natürlich trotzdem gerne nähen. Die Männer in unserer Trachtengruppe tragen nämlich die weißen Leinenhemden, die mit den Initialen der Männer bestickt sind und diese kann man nicht sehen, wenn die Weste geschlossen ist.


Und nun wünsche ich viel Spaß beim Nachnähen. Wer das Buch nicht haben sollte, der findet viele kostenlose Schnittmuster im Internet oder benutzt aber Kinderkleidung als Vorlage.



„Im Gegensatz zur kurzlebigen Mode ist Tracht aber ausgesprochen langlebig, ihre Entwicklung ist langsamer und gleichmäßiger.“

(Groth-Schmachtenberger, 1980, 9)


Von Maja Kirschenheuter



Quellen

Dohmen, Pauline. (2016). Kinderleicht! Nähen mit Jersey für Babys und Kids. 22. Auflage 2019, Stuttgart: frechverlag GmbH

Groth-Schmachtenberger, Erika. (1980). Volks-Trachten aus Oberbayern, Österreich, Ungarn, Jugoslawien mit den Donauschwaben, Rumänien mit den Siebenbürger Sachsen. (1. Auflage). Schriften des Freilichtmuseums des Bezirks Oberbayern an der Glentleiten.

 
 
bottom of page