Fachtagung stärkt Brücken zwischen Heimatvertriebenen und Heimatverbliebenen
Frankfurt am Main – Mit einer feierlichen Eröffnung ist am Freitag, 28. August 2026, die 6. Internationale Fachtagung „Heimatvertriebene und Heimatverbliebene – Zwei Seiten der gleichen Medaille“ in der Mainmetropole gestartet. Rund 60 Teilnehmende – darunter hochrangige Vertreter aus Politik, Verbänden und Wissenschaft – folgten der Einladung der Veranstalter – der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen und der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten (AGDM) in der FUEN. Für den Bundesverband der Donauschwaben waren die beiden stellvertretenden Bundesvorsitzenden Renata Trischler und Thomas Dapper anwesend.
Den offiziellen Auftakt bestritten Hessens Innenminister Prof. Dr. Roman Poseck, Klaus-Peter Willsch MdB (Vorsitzender der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion), Andreas Hofmeister MdL (Beauftragter der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler), Kuratoriumsvorsitzender Stephan Rauhut sowie AGDM-Sprecher Benjamin Józsa. In ihren Grußworten unterstrichen sie die anhaltende Aktualität des Themas – mehr als 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Mit einer Schweigeminute gedachten die Anwesenden zu Beginn der Opfer der Deportation der Deutschen aus der Wolgaregion und anderen Gebieten der Sowjetunion. Anlass war der 85. Jahrestag des Erlasses vom 28. August 1941, der die systematische Verschleppung von rund 900.000 Menschen nach Sibirien und Zentralasien in Gang setzte – ein bis heute kaum aufgearbeitetes Kapitel europäischer Geschichte.
Den inhaltlichen Auftakt bildete der Themenblock „Heimatvertriebene und Heimatverbliebene – Zwei Seiten der gleichen Medaille“. Im einleitenden Impulsvortrag plädierte Bernard Gaida, ehemaliger Sprecher der AGDM und langjähriger Vorsitzender des Verbandes der deutschen Gesellschaften in Polen (VdG), für einen Perspektivwechsel: Statt Trennung müsse eine gemeinsame Erinnerungskultur in den Mittelpunkt rücken.
Es folgte eine Podiumsdiskussion mit Benjamin Józsa, Andreas Hofmeister, Stephan Rauhut und Rafał Bartek, dem aktuellen Vorsitzenden des VdG. Moderiert wurde die Runde von Dr. Lilia Antipow-Altrichter vom Haus des Deutschen Ostens in München. Im Fokus stand die Frage, wie heute – angesichts neuer geopolitischer Verwerfungen – eine verantwortungsvolle Erinnerungsarbeit gelingen kann, die sowohl die Erfahrungen der Vertriebenen als auch die der in den Herkunftsgebieten Verbliebenen würdigt.
Anschließend übergaben die Redner das Podium an den Nachwuchs. Moderiert von Anna Schultheisz, Vorsitzende der Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher, tauschten sich Jugendvertreter aus den Minderheiten- und Vertriebenenverbänden aus: Erik Flöter (Sudetendeutsche Jugend), Klaus Weber (Banater Jugend- und Trachtengruppe), Peter Harder (Bund Junges Ostpreußen), Sebastian Arion (Deutsche Minderheit aus Rumänien) und Paulina Widera (Deutsche Minderheit aus Polen).
Am Samstag wurde die Tagung mit weiteren Themenblöcken fortgesetzt. Der erste Block widmete sich den Synergien in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit Einrichtungen aus Wissenschaft und Forschung. Beteiligt waren Vertreter des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE), der Deutsch-Polnischen Joseph-von-Eichendorff-Bibliothek in Oppeln und der Deutschen Gemeinschaft in Kroatien. Der letzte Block beleuchtete die Frage der Wissensvermittlung – im musealen Bereich, über neue digitale Medien sowie durch grenzüberschreitende Kultur- und Bildungsprojekte. Hier stellten unter anderem das Freilichtmuseum Hessenpark, das Wolhynier-Umsiedlermuseum Linstow sowie verschiedene digitale Portale und Initiativen aus Ungarn, Litauen und der Ukraine ihre Ansätze vor.
Renata Trischler


