Mosbach: Kirchweihfest der Donauschwaben 2026
Aktualisiert: vor 2 Tagen
Die Donauschwaben feierten in diesem Jahr ihr 76. Kirchweihfest. Neben der Traditionspflege in Gesang und Tanz standen die Vertreibung der Donauschwaben aus ihrer Heimat vor 80 Jahren und das Gemeinschaftsgefühl im Mittelpunkt. Die Zusammengehörigkeit, die in alter wie neuer Heimat gewachsen ist, verbindet bis heute auch die Generationen.
Beim Eröffnungsgottesdienst betonte Pfarrer Michael Gartner die Bedeutung des Kirchweihfestes. Neben der Erinnerung an die Weihe des Gotteshauses stehe es auch für die Gemeinschaft der Gläubigen. Diakon Manfred Leitheim verwies darauf, dass zu allen Zeiten Menschen aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Für die Gestaltung der Zukunft seien die Bereitschaft zum Verzeihen und der Wille zur Integration notwendig. Das Lied des Chors der Donauschwaben „Herr gib uns den Mut zum Brücken bauen, gib mir den Mut zum ersten Schritt“ griff diesen Gedanken auf und bildete den Abschluss des Gottesdienstes.
Zum Kirchweihfest gehört auch das gemeinsame Feiern. Zu Tanz und Musik trafen sich die Donauschwaben und ihre Gäste im Haus der Landsmannschaft. Anton Kindtner, Vorsitzender der Donauschwaben, hieß die Gäste willkommen. Die weiteste Anreise hatte die 20-köpfige Tanzgruppe aus Saar/Szár mit ihrer Kapelle „Löderbuam“. Die Grüße des Oberbürgermeisters überbrachte Stadtrat Werner Heininger. Besonders begrüßte Kindtner den Generalkonsul der Republik Ungarn, Dr. András Iszák. Dieser betonte, seine regelmäßigen Besuche bei Veranstaltungen der Donauschwaben seien auch Ausdruck der Wertschätzung für die Volksgruppe. Die Vertreibung der Donauschwaben bezeichnete er als „Schandfleck“ in der ungarischen Geschichte. Vor diesem Hintergrund habe das ungarische Parlament den 19. Januar zum nationalen Gedenktag erklärt, an dem an die Vertreibung von rund 200.000 Donauschwaben erinnert werde.
Durch das anschließende Programm führte Sabine Kress. Die feierliche Eröffnung übernahm das diesjährige Kirchweihpaar Rebecca Greeuw und Christian Polland. Die Auftritte der Mosbacher Tanzgruppen und weiterer Volkstanzgruppen aus der Region zeigten das Traditionsbewusstsein und die Verbundenheit der Donauschwaben über Ortsgrenzen hinweg. Die Saarer Tanzgruppe präsentierte dabei ein umfangreiches Repertoire.
Auf die Frage, was junge Menschen motiviere, traditionelle donauschwäbische Tänze und Musik zu pflegen, nannten die Tänzerinnen und Tänzer vor allem den Wunsch, die Traditionen als Bestandteil der eigenen Identität zu erhalten. Zugleich spiele die Gemeinschaft eine wichtige Rolle. Begegnungen, gemeinsame Proben und Fahrten wie jene nach Mosbach stärkten den Zusammenhalt. Auch junge Menschen ohne donauschwäbische Vorfahren seien eingeladen, mitzutanzen und mitzusingen.
Wie immer begleitete die Musikgruppe der „Gschlampadn“ die auftretenden Gruppen durch den Abend. Ein weiterer Höhepunkt war der Auftritt der Showturngruppe „Exótica“ aus Mosbach. Unter der Leitung von Petra Watzal und Bernhard Stoizner präsentierten die Tänzerinnen und Tänzer ein abwechslungsreiches Programm aus Turnen, Tanz und Akrobatik. Choreografie, Kostüme und Beleuchtung fanden beim Publikum großen Anklang und wurden mit lang anhaltendem Beifall honoriert.
Das Kirchweihfest 2026 zeigte damit einmal mehr, wie die Pflege von Traditionen, Gemeinschaft und Offenheit für Neues im Vereinsleben miteinander verbunden werden können.
Von Richard Zöller


