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„Ich tät so gern nowel geh“ 

  • 29. Juli
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 30. Juli

Mundart-Schatz aus Bukin




Im Archiv des Kulturzentrums Haus der Donauschwaben in Haar werden neben zahlreichen Musikschallplatten und Kassetten auch besondere Mundart-Aufnahmen aufbewahrt. Eine davon führt nach Bukin, dem heutigen Mladenovo in Serbien. Dr. Adam Tomas, Sprachforscher an der Ludwig-Maximilians-Universität München und regelmäßiger Besucher des Kulturzentrums, hat die historische Kassette für das Archiv digitalisiert. Auf der Aufnahme erzählt Katharina Peschek, die „Wendlena Kadi“, in ihrem Heimatdialekt aus ihrem Leben und von der Bukiner Lebensart.

 

Ihre Familie floh im Oktober 1944 aus der alten Heimat. Nach vielen Irrwegen kam sie im Sommer 1946 nach Niederbayern. Dort mussten die körperlich und seelisch angeschlagenen Familienmitglieder zunächst für wenig Lohn als Knechte und Mägde arbeiten. Besonders in den ersten Jahren litten sie stark unter der Heimatlosigkeit. Katharina Peschek heiratete 1950 einen Niederbayern und lebte später mit ihrer Familie in München.

 

In einer ihrer Erinnerungen erzählt sie von der Kleidung ihrer Kindheit. Als einfaches Bauernmädchen trug sie traditionell Rock und Tuch, empfand diese Kleidung damals jedoch als altmodisch. „Ich tät so gern nowel geh“, erinnert sie sich an ihren Wunsch nach vornehmerer Kleidung.

 

Viel lieber hätte sie die feinen weißen Kleider der Mädchen bei der Erstkommunion oder die „seidenen Kuddel“ der „Herreleut“ getragen, die in der Kirche ganz vorne saßen. Ihre Mutter blieb bei diesem Thema jedoch, wie Katharina Peschek berichtet, „wie von Eise“.

 

Viele Jahre später hatte sich ihr Blick auf die traditionelle Kleidung verändert. Nach Flucht und Vertreibung, inzwischen in München zu Hause und im Besitz zahlreicher Blusen und Stöckelschuhe, erinnerte sie sich voller Wehmut an die donauschwäbischen Röcke. Ihr rückblickendes Urteil lautete:

 

„Das schönste Gwand ist unsere schwobische Tracht.“

 

Katharina Peschek nahm die Kassette im März 1991 „zur Freude und Erinnerung für ihre Landsleute“ auf. Heute ist ihre Stimme ein wertvoller Bestandteil  des Haarer Archivs. Die Aufnahme bewahrt nicht nur persönliche Erinnerungen und Einblicke in die Bukiner Lebensart, sondern auch eine Mundart, die immer seltener zu hören ist.


Von Ulrike Haardt

 
 
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