Geschichte zum Anfassen
Aktualisiert: vor 6 Tagen
Der BdV Hessen zu Gast im Haus der Donauschwaben
Wie wird aus überlieferten Erinnerungen Geschichte? Und was bedeutet es, Heimat zu verlieren und andernorts neu anzufangen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich eine Bildungsreise des BdV Hessen, die am 15. Oktober 2026 ins Haus der Donauschwaben nach Sindelfingen führte.
Am frühen Morgen war die Reisegruppe unter der Leitung der Kulturreferentin des BdV Hessen, Agnes Maria Brügging-Lazar, in Wiesbaden aufgebrochen, um zwei Kultur- und Erinnerungsstätten deutscher Gemeinschaften aus Südosteuropa kennenzulernen. Das Haus der Donauschwaben in Sindelfingen und das Siebenbürgische Kulturzentrum „Schloss Horneck“ in Gundelsheim bildeten die beiden Stationen der Bildungsreise.
Geschichte und persönliche Erinnerungen
Im Haus der Donauschwaben wurde die Gruppe am Vormittag von der Hausleiterin Dr. Violeta Bakia empfangen. Unter dem Titel „Erinnerung sichtbar machen – Geschichte(n) der Donauschwaben“ führte sie durch die wechselvolle Geschichte der Donauschwaben und verband dabei historische Ereignisse mit den Erfahrungen von Familien und Einzelpersonen.
Die Ausstellung vermittelte, wie die Donauschwaben ihre Lebenswelt in Südosteuropa prägten, welche kulturellen Traditionen sich entwickelten und wie Flucht und Vertreibung ihre Geschichte grundlegend veränderten. Historische Exponate und persönliche Erinnerungsstücke ergänzten die historischen Zusammenhänge um individuelle Perspektiven.
Ein Blick hinter die Kulissen
Nach einem gemeinsamen Mittagessen richtete sich der Blick am Nachmittag auf die Arbeit hinter den Kulissen. Unter der Überschrift „Vom Alltagsleben zum kulturellen Gedächtnis: Bauernstube, Bibliothek und Archiv“ erläuterten Dr. Violeta Bakia, Bibliothekarin Sylvia Herrmann und Archivbeauftragte Anita Villnow, wie das kulturelle Erbe der Donauschwaben gesammelt, dokumentiert und bewahrt wird.
Die Bauernstube vermittelte Eindrücke vom früheren Alltag, während Bibliothek und Archiv mit Büchern, Fotografien, Dokumenten und persönlichen Aufzeichnungen unterschiedliche Quellen zur donauschwäbischen Geschichte erschließen. Zugleich erhielten die Gäste Einblick in die Aufgaben, die mit der Sicherung, Dokumentation und Vermittlung dieser Bestände verbunden sind.
Donauschwäbische Netzwerke heute
Einen Blick auf Gegenwart und internationale Verbindungen eröffnete Thomas Dapper, stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundesverbandes der Donauschwaben, mit seinem Vortrag „Die Donauschwaben in Deutschland und weltweit – Geschichte, Gegenwart und globale Netzwerke“.
Er zeichnete die Entwicklung der donauschwäbischen Gemeinschaft von ihren historischen Wurzeln bis zu den heutigen Strukturen nach. Nach Flucht, Internierung, Deportation und Vertreibung entstanden in Deutschland und zahlreichen weiteren Ländern Vereine und landsmannschaftliche Organisationen. Bis heute bestehen dabei auch Verbindungen zu den Herkunftsregionen.
Mit Blick auf den Generationenwechsel ging Dapper zudem auf aktuelle Fragen der Vermittlung von Geschichte und kulturellem Erbe ein. Im anschließenden Austausch griffen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diese und weitere Aspekte der heutigen Erinnerungsarbeit auf.
Weiterfahrt nach Schloss Horneck
Anschließend setzte die Reisegruppe ihre Fahrt nach Gundelsheim am Neckar fort. Im Siebenbürgischen Kulturzentrum „Schloss Horneck“ stand die Geschichte der Siebenbürger Sachsen mit ihren Erfahrungen von Ankunft, Integration und Neubeginn nach 1945 im Mittelpunkt.
Der Besuch beider Einrichtungen ermöglichte einen vergleichenden Blick auf unterschiedliche historische Erfahrungen deutscher Gemeinschaften aus Südosteuropa und auf die heutige Arbeit ihrer Kultur- und Erinnerungsstätten. Ausstellungen, Dokumente und persönliche Zeugnisse boten den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dabei vielfältige Zugänge zu Geschichte und Gegenwart.
Von Jürgen Harich
Weitere Informationen zur Geschichte der Donauschwaben.


