Ein selbstgebautes Stück Heimat aus Neufutok
Aktualisiert: 29. Okt.
Das Haus der Donauschwaben in Haar erhält ein Modell der Neufutoker Herz-Jesu-Kirche als Schenkung

Eine Miniaturkirche als Geschenk: Im Haus der Donauschwaben in Haar ist ein detailgetreues Modell der Herz-Jesu-Kirche von Neufutok angekommen. Stefan Zigorsky (1898–1974), der aus Futok stammte und nach Bayern fliehen musste, fertigte es in mühevoller Arbeit. Zigorskys Enkelin Annemarie Bürgel schenkte das Modell dem Haus, Josef Pollatschek aus Garching brachte es nach Haar. Das kleine Bauwerk ist dabei weit mehr als eine aufwendige Bastelarbeit: Es bewahrt ein Stück verlorener Heimat.
![Links die Fotografie der Neufutoker Kirche mit den zwei markanten Türmen, Aufnahme von 1942 [Inv. Nr. F2024-162], rechts das detailgetreue Modell im Garten des Museums in Haar](https://static.wixstatic.com/media/6e9620_bfccf5fd6e304020a976b7b25dd02ebd~mv2.jpg/v1/fill/w_980,h_738,al_c,q_85,usm_0.66_1.00_0.01,enc_avif,quality_auto/6e9620_bfccf5fd6e304020a976b7b25dd02ebd~mv2.jpg)
Eine Kirche für das ganze Dorf
Futok liegt im Süden der Batschka, am linken Donauufer. Ab 1763/64 ließen sich dort Siedler nieder, die unter anderem in Schwaben und im Elsass angeworben worden waren. 1774 wurde neben dem alten Ort Neufutok gegründet, das heute zu Futok gehört. Die erste katholische Kirche ließ Graf Andreas Hadik 1776 errichten, aber die heutige Herz-Jesu-Kirche entstand auf Initiative des Grafen Rudolph Chotek und seiner Frau Maria zwischen 1906 und 1908. Der Architekt Ferenc Weininger entwarf sie im neugotischen Stil und bis heute prägen ihre beiden hohen Türme das Ortsbild.
![Herz-Jesu-Kirche in Neufutok, Aufnahme von 1939 [Inv. Nr. F2025-489]](https://static.wixstatic.com/media/6e9620_79fd4a542df84c57a869abdc7f52e7ae~mv2.jpg/v1/fill/w_980,h_664,al_c,q_85,usm_0.66_1.00_0.01,enc_avif,quality_auto/6e9620_79fd4a542df84c57a869abdc7f52e7ae~mv2.jpg)
Für die Donauschwaben, die Neufutok bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs bewohnten, war die Kirche weit mehr als ein Gebäude. Der katholische Glaube prägte den Alltag, und der Sonntagsgottesdienst war zugleich ein wichtiger Treffpunkt der Dorfgemeinschaft. Hier wurden Kinder getauft, Erstkommunion, Firmung und Hochzeiten gefeiert und Verstorbene verabschiedet. Das Kirchweihfest zählte zu den wichtigsten Festen des Jahres. Im Oktober 1944 mussten die Futoker Donauschwaben ihre Heimat verlassen. Die Herz-Jesu-Kirche steht noch heute, wird weiterhin genutzt und ist als Kulturdenkmal geschützt.
Stefan Zigorsky baut die Heimat nach
Nach seiner Flucht baute der gebürtige Futoker Stefan Zigorsky in Bayern die Herz-Jesu-Kirche im Kleinformat nach. Das Modell besteht hauptsächlich aus Holz, aber auch aus anderen Materialien wie Textilien und Metall-Elementen. Im Inneren finden sich liebevoll gearbeitete Miniaturbänke, Fahnen und sogar eine Beleuchtung. Wie sorgfältig Zigorsky die Kirche nachgebildet hat, zeigt der Vergleich mit historischen Aufnahmen aus dem Fotoarchiv des Hauses: Vom Hauptportal über den Seiteneingang bis zu den markanten Türmen stimmen zahlreiche Details verblüffend genau mit dem Original überein.
Ein kleines Modell für eine große Sehnsucht
Das aufwendig gefertigte Kirchenmodell und die vielen Arbeitsstunden, die darin stecken, können stellvertretend oder auch sinnbildlich für die Sehnsucht nach der alten Heimat stehen. Viele Heimatvertriebene versuchten, etwas vom Verlorenen zu bewahren und in die neue Heimat mitzunehmen. Trachten wurden anhand alter Fotografien oder erhaltener Originale nachgeschneidert, Mundart-Aufnahmen hielten Erinnerungen und Redewendungen fest, und Kunsthandwerk bewahrte traditionelle Formen und Muster. Heimatbücher wie „Unsere verlorene Heimat Futok“ dokumentierten das Dorfleben für spätere Generationen. Auch Kirchweihfeste wurden in der neuen Heimat weitergefeiert.
Das Haus der Donauschwaben in Haar bewahrt solche Zeugnisse. Aus Futok besitzt es bereits einen großen Holzwagen, mit dem Futoker Donauschwaben 1944 flohen. Nun kommt das Kirchenmodell als weiteres eindrucksvolles Objekt hinzu. Es erhält einen besonderen Platz in der Ausstellung und ist ab sofort in der Leibstraße 33 in Haar „live“ zu sehen.
Herzlicher Dank gilt Annemarie Bürgel für die großzügige Schenkung und Josef Pollatschek für den Transport nach Haar.
Von Luzia Hasenöhrl
Quellen:
Pfundstein, Maria (Red.), „100 Jahre Heimatkirche in Futok an der Donau“, 2008
Website zur Publikation „Unsere verlorene Heimat FUTOK“
Liebevoll ausgestatteter Innenraum des Modells
Aktuelle Aufnahmen der Futoker Kirche im Frühjahr 2026 von Maria Kasmannshuber


