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Donauschwäbische Frauenkonferenz vom 5.-6. März in Budapest

  • vor 3 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

„Es geht uns nicht um Nostalgie, sondern um Gegenwart und Zukunft“



Was bedeutet donauschwäbische Identität im Europa von heute? Wer trägt sie weiter – und wie sichtbar sind eigentlich die Frauen, die Sprache, Tradition und Gemeinschaft oft ganz selbstverständlich prägen?


Am 5. und 6. März 2026 findet an der Eötvös-Loránd-Universität (ELTE) in Budapest erstmals die Donauschwäbische Frauenkonferenz statt. Unter dem Titel „WegZeichen – Donauschwäbische Frauen im modernen Europa“ laden die Stiftung Deutsches Institut in Ungarn und das europäische Magazin danube connects Frauen aus dem gesamten Donauraum zum Austausch ein. Gefördert wird die Konferenz von der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg.


Initiiert wurde das Projekt von Veronika German (Budapest) und Sabine Geller (Ulm). Ihr Ziel: Frauen mit donauschwäbischen Wurzeln stärker zu vernetzen, ihre Rolle als Kulturvermittlerinnen sichtbar zu machen – und gemeinsam neue Impulse für die Zukunft zu setzen.


Wir haben mit den Initiatorinnen über Motivation, Ziele und Visionen gesprochen.


Die Initiatorinnen der donauschschwäbischen Frauenkonferenz: Veronika German aus Berkenye und Sabine Geller aus Ulm, die Familie stammt aus Vémend in Südungarn
Die Initiatorinnen der donauschschwäbischen Frauenkonferenz: Veronika German aus Berkenye und Sabine Geller aus Ulm, die Familie stammt aus Vémend in Südungarn

Die Konferenz ist Teil des Projekts „WegZeichen – Donauschwäbische Frauen im modernen Europa“. Was war der Moment oder die Beobachtung, die Sie dazu gebracht hat, dieses Format ins Leben zu rufen?


Veronika German:„WegZeichen“ ist tatsächlich mein Herzensprojekt. Es ist eine Spurensuche – und zugleich ein Aufbruch. Meine Mutter war Ahnenforscherin. Sie hat mit großer Hingabe die Geschichte unserer Vorfahren dokumentiert, gesammelt, bewahrt. Nach ihrem Tod habe ich gespürt: Diese Arbeit darf nicht enden, aber sie muss weitergedacht werden.


Mir wurde immer klarer, dass in der historischen Aufarbeitung zwar Familiennamen, Daten und Migrationserzählungen festgehalten sind, aber die Stimmen der Frauen oft nur am Rand erscheinen. Dabei waren und sind sie die eigentlichen Trägerinnen von Sprache, Ritualen, Alltagskultur und Werten. Aus dieser Beobachtung ist „WegZeichen“ entstanden – zunächst als Plattform für ungarndeutsche Frauengeschichten, jetzt als grenzüberschreitendes Projekt im Donauraum.


Die Konferenz ist der erste sichtbare Schritt dieser Idee. Schon die Keynote von Olivia Schubert – „Mit Mut und Identität: Eine ungarndeutsche Frau an der Spitze der FUEN“ – zeigt, dass es uns nicht um Nostalgie geht, sondern um Gegenwart und Zukunft. 


Mit den Diskussionsrunden zu „Unsere Mütter, unsere Großmütter – wie Identität weiterlebt“ und der Storytelling-Session am zweiten Tag schlagen wir bewusst die Brücke zwischen Erinnerungskultur und modernen medialen Formaten. WegZeichen will Geschichte nicht archivieren, sondern weitererzählen – lebendig, weiblich, europäisch.


Im Mittelpunkt der Konferenz steht die Frage nach der donauschwäbischen Identität im heutigen Europa. Wie erleben Sie selbst diese Identität heute – verändert sie sich gerade, und welche Rolle spielen Frauen dabei besonders?


Sabine Geller:Ja, die donauschwäbische Identität befindet sich im Wandel – und das ist nichts Negatives. Sie bewegt sich weg vom traditionellen, oft dörflich geprägten Lebensmodell hin zu einer Identität, die sich in urbanen, digitalen und internationalen Kontexten behauptet. Die entscheidende Frage ist: Wie bleibt sie dabei erkennbar?


Im Konferenzprogramm greifen wir genau das auf. Zum Beispiel im Panel „Wege in die Zukunft – zwischen Generationen und Integration“ diskutieren wir etwa, wie sich Sprachgebrauch verändert – in der Familie, im Vereinsleben, im öffentlichen Raum. Frauen spielen hier eine Schlüsselrolle. Sie sind häufig die Vermittlerinnen der Zweisprachigkeit in Familie, Kindergarten, Schule und Kulturarbeit. Gleichzeitig sind sie in vielen Führungsstrukturen noch unterrepräsentiert. Genau dort setzt unser Projekt an: Identität darf nicht nur im Privaten weitergegeben werden, sie braucht auch weibliche Sichtbarkeit in öffentlichen Funktionen.


Wen möchten Sie mit dieser Veranstaltung besonders erreichen – und warum ist es wichtig, gerade diese Zielgruppen miteinander zu vernetzen?


Sabine Geller:Unsere Zielgruppe ist bewusst generationenübergreifend. Wir möchten Frauen erreichen, die mitten im Berufsleben stehen, in Kultur, Medien, Politik, Diplomatie oder Bildung. Gleichzeitig laden wir junge Studentinnen der ELTE-Universität Budapest ein, ebenso wie erfahrene Frauen der älteren Generation aus Vereinen und Institutionen. Weil Wissen und Erfahrung in unseren Gemeinschaften oft nebeneinander existieren, aber nicht miteinander verbunden sind.


Unser Ziel ist der Aufbau eines überregionalen Netzwerks von Multiplikatorinnen. Frauen, die in ihren jeweiligen Ländern als Brückenbauerinnen wirken: zwischen Generationen, zwischen Institutionen und den Donauländern. Vernetzung ist für uns kein Schlagwort, sondern ein Instrument zur nachhaltigen Stärkung der Minderheitenkultur.


Welche Programmpunkte liegen Ihnen persönlich besonders am Herzen – und worauf dürfen sich die Teilnehmerinnen freuen?


Veronika German:Mir liegt besonders die Verbindung von Sprache, Begegnung und Erzählkultur am Herzen. Deutsch als gelebte Alltagssprache ist ein zentraler Bestandteil unserer Identität. Deshalb findet die gesamte Konferenz auf Deutsch statt – als bewusstes Signal.

Inhaltlich freue ich mich besonders auf die Storytelling-Session am zweiten Tag: „Wie erzähle ich Lebensgeschichten?“ Dort stellen wir mediale Miniformate vor – kurze journalistische Porträts, Podcasts, digitale Beiträge – mit denen wir Frauengeschichten sichtbar machen wollen. Wir wollten keine reine Vortragsveranstaltung, sondern einen lebendigen Raum für Austausch. Deshalb wechseln sich Vorträge, moderierte Panels, Workshops und Gesprächsrunden bewusst ab.


Wo sehen Sie aktuell noch Herausforderungen für donauschwäbische Frauen – und was könnte sich durch diese Konferenz konkret verändern?

Veronika German:Eine große Herausforderung ist die strukturelle Unterrepräsentation von Frauen in Leitungspositionen donauschwäbischer Organisationen. Oft engagieren sich Frauen stark im kulturellen und pädagogischen Bereich, sind aber in strategischen Gremien weniger präsent. Gleichzeitig gibt es eine Generation zwischen 35 und 55 Jahren, die enormes Potenzial hat: international vernetzt, professionell ausgebildet, zweisprachig – aber häufig noch nicht eingebunden.


Wenn wir es schaffen, durch die Konferenz Mentoring-Beziehungen anzustoßen, neue Projektideen zu entwickeln und Kooperationen zwischen Verbänden, internationalen Organisationen und Partnerinnen zu initiieren, dann wäre das bereits ein konkreter Schritt.


Hand aufs Herz: Was darf auf keiner donauschwäbischen Frauenkonferenz fehlen – eher PowerPoint oder eher Pogatschen?


Veronika German:Die Pogatschen sind bestellt.


Sabine Geller:Aber wir verbinden Pogatschen mit PowerPoint – und Inspiration mit Erfahrungsaustausch.Tradition und Professionalität schließen sich nicht aus. Genau das ist vielleicht das schönste Bild für unsere Konferenz: Donauschwäbische Backtradition auf dem Teller – Zukunft auf der Leinwand.


Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die donauschwäbische Frauenkonferenz!


Interview: Gabriele Schilcher



Anmeldung zur Konferenz unter: wegzeichen.ungarndeutschtum@gmail.com


 
 
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