65. Donauschwäbische Gelöbniswallfahrt in Altötting
- 25. Juli
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Bereits zum 65. Mal versammelten sich am 11. und 12. Juli 2026 Donauschwäbinnen und Donauschwaben aus Deutschland und den Herkunftsgebieten im bedeutendsten Marienwallfahrtsort Deutschlands. Die Donauschwäbische Gelöbniswallfahrt nach Altötting ist seit Jahrzehnten weit mehr als eine religiöse Veranstaltung – sie ist ein Ort der Begegnung, des Gedenkens und der Verbundenheit, an dem Glaube, Geschichte und Gemeinschaft auf besondere Weise zusammenfinden.
Unter dem diesjährigen Leitwort „Eine Frau, auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen“ standen die Gottesdienste und Begegnungen ganz im Zeichen der Gottesmutter Maria als Zeichen der Hoffnung und des Schutzes. Zahlreiche Pilgerinnen und Pilger, Fahnenabordnungen, Trachtengruppen sowie Vertreter donauschwäbischer Organisationen nahmen an den Feierlichkeiten teil und verliehen der Wallfahrt einen würdigen und festlichen Rahmen.
Den Auftakt bildete am Samstagnachmittag der Eröffnungsgottesdienst in der Stiftskirche. Musikalisch wurde die Feier vom Chor der „Weidenthaler Mädels“ begleitet. Im Anschluss hielt Dr. Raluca Nelepcu einen eindrucksvollen Vortrag über die Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau, der das Wallfahrtsthema aus geistlicher und gesellschaftlicher Perspektive beleuchtete. Am Abend folgte der Vorabendgottesdienst in der Basilika St. Anna mit anschließender Lichterprozession zur Gnadenkapelle. Gemeinsam gesungene Marienlieder und das Licht der Kerzen schufen eine eindrucksvolle Atmosphäre der Besinnung und des Gebets.
Der Sonntag begann traditionell mit der feierlichen Prozession der Fahnenabordnungen, Pilgergruppen und Trachtenträger von der Gnadenkapelle zur Basilika. Begleitet von der Blaskapelle der HOG Sanktanna zog die Prozession zahlreiche Gläubige an und setzte ein sichtbares Zeichen der Zusammengehörigkeit.
Vor dem Pontifikalgottesdienst sprach Dr. Kathi Gaidos-Frank das Wort der Laien unter dem Thema „Mitgefühl und Zusammenhalt – Europa unter dem Schutz Marias“. Ihre Gedanken verdeutlichten, wie aktuell die christliche Botschaft von Solidarität, Frieden und gegenseitiger Verantwortung gerade in einer Zeit gesellschaftlicher und politischer Herausforderungen ist.
Höhepunkt der Wallfahrt war der feierliche Pontifikalgottesdienst in der Basilika St. Anna. Hauptzelebrant war S.E. László Böcskei, Diözesanbischof von Großwardein (Oradea) und Vorsitzender der Katholischen Bischofskonferenz in Rumänien. Gemeinsam mit zahlreichen Konzelebranten gestaltete er einen bewegenden Gottesdienst, der die geistliche Verbundenheit der Donauschwaben über nationale Grenzen hinweg eindrucksvoll zum Ausdruck brachte.
In seiner Predigt griff Bischof Böcskei mehrfach das Gelöbnis von Pater Wendelin Gruber auf, das den Ursprung der Donauschwäbischen Gelöbniswallfahrt bildet. Er erinnerte daran, dass dieses Gelöbnis weit mehr sei als eine historische Verpflichtung – es sei ein bleibender Auftrag, den Glauben zu bewahren, die Erinnerung wachzuhalten und Verantwortung für kommende Generationen zu übernehmen. Maria sei dabei Vorbild für Vertrauen, Hoffnung und Standhaftigkeit, gerade in Zeiten von Not, Vertreibung und Unsicherheit.
Besonders eindrucksvoll war seine persönliche Verbindung zu diesem Thema: Erst wenige Tage vor der Wallfahrt hatte Bischof Böcskei Rudolfsgnad (Knićanin) in Serbien besucht. Dort gedachte er an der Gedenkstätte der Opfer des ehemaligen Internierungs- und Lagerortes der deutschen Bevölkerung. Die Begegnung mit diesem Ort des Leidens und der Erinnerung verlieh seinen Worten in Altötting besondere Tiefe und Authentizität. Er machte deutlich, dass das Gedenken an das Schicksal der Donauschwaben untrennbar mit der christlichen Botschaft von Versöhnung, Hoffnung und Frieden verbunden sei.
Musikalisch wurde die Messe von der donauschwäbischen Singgruppe aus Landshut und der Blaskapelle der HOG Sanktanna sowie weiteren Mitwirkenden festlich umrahmt.
Am Nachmittag bot das traditionelle Marienliedersingen Gelegenheit zur stillen Einkehr und zum gemeinsamen Gebet. Parallel traf sich die jüngere Generation im „Cafe der Nachgeboren“ zum Austausch über Geschichte, Identität und die Zukunft der donauschwäbischen Wallfahrt. Den Abschluss bildete die feierliche Marienandacht mit der Segnung der mitgebrachten Andachtsgegenstände.
Die Gelöbniswallfahrt nach Altötting erinnert an das Versprechen der Donauschwaben, das Gelöbnis von Pater Wendelin Gruber und die Marienverehrung auch nach Flucht und Vertreibung lebendig zu halten. Über Generationen hinweg ist daraus ein fester Bestandteil des donauschwäbischen Jahreskalenders geworden. Sie verbindet Menschen unterschiedlicher Herkunft, schafft Raum für Begegnung und stärkt das Bewusstsein für die gemeinsamen kulturellen und religiösen Wurzeln.
Jürgen Harich










































