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Namen, Orte, Ereignisse – an was man sich erinnern kann

  • Donauschwaben
  • 10. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 11. Juli

Das Haus der Donauschwaben Haar hebt einen jahrzehntelang zusammengetragenen Fotoschatz




Seit über zwei Jahren wird im Kulturzentrum Haus der Donauschwaben im Rahmen der Modernisierungsmaßnahmen gesichtet, geordnet und digitalisiert – eine Mammutaufgabe, die das Herzstück des Hauses neu zum Leben erweckt: die historischen Bestände der umfangreichen Sammlung. Auch ein großes Konvolut an Fotografien mit ca. 2.000 Aufnahmen, das seit den 1980er Jahren zusammengetragen und bisher verborgen in Sammlungsschränken aufbewahrt wurde, wird nun systematisch erfasst, konservatorisch versorgt und regelmäßig auf den Social Media-Kanälen des Kulturzentrums sowie in Filmprojekten auszugsweise veröffentlicht. Erstaunlicherweise ist hierzu ein handschriftliches Abbildungsverzeichnis erhalten – ein wahrer Schatz an Informationen für die Archivierungsarbeit und zukünftige Forschungsvorhaben.

 

Wer ist das nochmal und wo wurde das eigentlich aufgenommen?

 

Jeder kennt diese „Wissenslücke“ oder das „Informationsloch“, das sich beim Blick auf die Bilder in Omas Foto-Schachtel auftut: Wer sind all die Personen auf den Fotografien? Wo und wann wurden sie aufgenommen? Die wenigsten privaten fotografischen Erinnerungsstücke sind beschriftet. Das Wissen um die Hintergründe geht oftmals verloren, weil niemand mehr lebt, den man fragen könnte.

 

Franz Wetzl, langjähriges und inzwischen verstorbenes Mitglied der Landsmannschaft und Vertreter der Heimatortsgemeinschaft Futok hat für das Haus der Donauschwaben seit den 1980er Jahren in ehrenamtlicher und zugleich akribischer archivarischer Arbeit an die 2.000 Fotografien von unterschiedlichen Privatpersonen mit familiärer Verbindung zu den Donauschwaben aus dem heute serbischen Futok zusammengetragen. Das heißt genauer: Er hat Fotos bei Einzelpersonen angefragt bzw. ausgeliehen, professionell analog reproduzieren lassen und wieder zurückgeschickt – und das im großen Stil. Das Ergebnis sind sechs dicke Foto-Ordner mit durchnummerierten Abzügen, begleitet von einem sorgfältig geführten, handschriftlichen Bildregister. Dieses Register führt viele wichtige Informationen zusammen: (größtenteils) die Namen der abgebildeten Personen, den Anlass der Aufnahme, das Entstehungsjahr sowie Ortsbezeichnungen. Ein Glücksfall für jede Archivarin und jeden Archivar!

 

Historische Fotos aus Futok: Vom Alltagsbild zum Kulturzeugnis

 

Wer durch diesen Fotos-Fundus blättert, schaut nicht nur in Gesichter – es eröffnen sich ganze Biografien. Neben Hochzeiten, Fahnenweihen und Fronleichnam-Prozessionen zeigen viele der Fotografien fotohistorisch interessante Motive: einschneidende Ereignisse wie Verwüstungen durch ein Hochwasser, das Alltagsleben und die Bewirtschaftung von Hof und Feldern, damalige Straßenzüge und Architekturen, die Begehung von wichtigen Festen, unterschiedliche Trachten-Traditionen bis hin zu Bildern, die nach der Vertreibung auf der Flucht entstanden sind. Allein die zahlreichen Schulklassen-Fotos und Gruppenaufnahmen von Gesangsvereinen und Marienmädchen – fast alle mit Namen versehen und teils nach Abschlussjahrgängen gelistet – sind wichtiges Werkzeug für die Familienforschung. Viele dieser Fotos sind Reproduktionen, das heißt keine Originalabzüge, doch ihr Wert liegt in den Geschichten und Informationen, die sie konservieren. Sie machen Erinnerung sichtbar – und damit erfahrbar.

 

Digitalisierung fördert den Austausch und das Erinnern – auch auf Social Media

 

Im Rahmen des Digitalisierungs- und Inventarisierungsprojekts „Futoker Fotoalben“ wird jedes Bildmotiv digital abfotografiert, die handschriftlich vorhandenen Informationen ins Inventarisierungssystem übertragen und dabei verschlagwortet. Dieser Prozess ist aufwendig, macht aber die Recherche und Nutzung für zukünftige Filmprojekte und Ausstellungen überhaupt erst möglich.


Für den neu gestaltete Untergeschoss im Haus der Donauschwaben konnte nun eine kuratierte Auswahl aus den unzähligen Bildmotiven erarbeitet werden. Als vergrößerte Wandbilder schaffen sie einen visuellen Zugang zur donauschwäbischen Kulturgeschichte – unmittelbar, anschaulich, nah.

 

Ein wachsender Teil der Bildmotive ist bereits auf den Social-Media-Kanälen des Kulturzentrums zu sehen – mit erstaunlicher Resonanz der sehr aktiven Community. Eine Followerin meint auf einem Gruppenbild ihre Mutter wiederzuerkennen. Ein anderer Nutzer teilt eigene Erinnerungen an das Weihnachtsessen bei den Großeltern. Genau dieser Austausch, dieses lebendige Weitererzählen ist das, was das aufwendige Projekt so wertvoll macht: Es stiftet Verbindung zwischen Generationen, schafft neue Zugänge zur Geschichte und sichert das kulturelle Erbe für die Zukunft.

 

Das Projekt des Kulturzentrums Haus der Donauschwaben wird fortlaufend weiterbearbeitet und aktualisiert – finanziert über das Haus des Deutschen Ostens und das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales.


Von Ulrike Haardt

 
 
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