Gedenktag zur Vertreibung der Deutschen aus Ungarn in Stuttgart
- 22. Jan.
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Aktualisiert: 29. Jan.
80 Jahre Erinnerung und europäische Versöhnung
Am 24. Januar 2026 hatte das Liszt-Institut Stuttgart in den Kursaal Bad Cannstatt zum Gedenktag zur Vertreibung der Ungarndeutschen aus Ungarn eingeladen. Die Veranstaltung stand im Zeichen des 80. Jahrestages der Vertreibung von mehr als 200.000 Deutschen aus Ungarn nach dem Zweiten Weltkrieg und brachte zahlreiche Gäste aus Politik, Kultur und den Verbänden der Landsmannschaften zusammen.
In seiner Moderation erinnerte Dr. Dezső B. Szabó, Leiter des Ungarischen Kulturinstituts in Stuttgart, daran, dass das Gedenken nicht nur der historischen Erinnerung diene, sondern auch ein Auftrag für die Gegenwart sei. Seit 2018 habe das Liszt-Institut diesen Gedenktag bewusst als Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft gestaltet und damit einen Beitrag zum europäischen Dialog geleistet.
In seinem Grußwort unterstrich Dr. András Izsák, Generalkonsul von Ungarn in Stuttgart, die Bedeutung der offiziellen Einführung des Gedenktages am 19. Januar durch das ungarische Parlament. Dieser Schritt sei Ausdruck der Verantwortung des ungarischen Staates gegenüber den vertriebenen Ungarndeutschen und zugleich ein klares Zeichen der Versöhnung in Europa. Erinnerung bedeute, so Izsák, auch Anerkennung des erlittenen Unrechts.
Ibolya Englender-Hock, Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, betonte in ihrem Beitrag die nachhaltigen Folgen von Vertreibung und Entrechtung für die betroffenen Familien. Die Erinnerung an dieses Schicksal sei untrennbar mit der Bewahrung der ungarndeutschen Identität verbunden. Gerade die Weitergabe der Geschichte an jüngere Generationen sei eine zentrale Aufgabe der Gegenwart.
Der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn, Joschi Ament, erinnerte daran, dass die Vertriebenen in Deutschland eine neue Heimat gefunden hätten, ohne ihre kulturellen Wurzeln aufzugeben. Er würdigte den Gedenktag als wichtigen Akt der Anerkennung und als Zeichen dafür, dass das Leid der Ungarndeutschen nicht vergessen worden sei.
In seiner Festrede ging Thomas Blenke MdL, Staatssekretär im Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen, auf die Verantwortung des Staates für eine lebendige Erinnerungskultur ein. Gedenken, so Blenke, sei Voraussetzung für demokratische Stabilität und für ein friedliches Zusammenleben in Vielfalt.
Der ungarische Staatssekretär Miklós Soltész hob hervor, dass die ungarndeutsche Gemeinschaft ein unverzichtbarer Teil der ungarischen Geschichte und Kultur gewesen sei und bleibe. Der Gedenktag würdige nicht nur das erlittene Leid, sondern auch den bleibenden Beitrag der Ungarndeutschen zur kulturellen Vielfalt Ungarns.
Ein szenisches Spiel des Deutschen Theaters Szekszárd verlieh dem Gedenken eine besondere emotionale Tiefe und machte die Erfahrungen von Verlust, Heimat und Neuanfang eindrucksvoll erfahrbar. Beim anschließenden Stehempfang bot sich den Gästen Gelegenheit zum persönlichen Austausch und zur Vertiefung der Gespräche.
Der Gedenktag machte deutlich, dass Erinnerung, Anerkennung und Versöhnung untrennbar miteinander verbunden sind und auch 80 Jahre nach den Ereignissen nichts von ihrer Aktualität verlieren.
Von Jürgen Harich






























