Erinnerung und Identität im Dialog der jüngeren Generationen
- 24. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 29. Jan.
Geschichtsseminar der DBJT
Im Dezember 2025 fand in Augsburg das Geschichtsseminar der Deutschen Banater Jugend- und Trachtengruppen (DBJT) statt. Unter dem Leitgedanken „Erinnerung und Identität im Wandel“ brachte die Veranstaltung junge Engagierte und Verantwortliche aus den Gemeinschaften der Banater Schwaben, Donauschwaben, Sudetendeutschen und Siebenbürger Sachsen zusammen. Ziel des Seminars war es, historische Erfahrungen miteinander in Beziehung zu setzen, Identität bewusst zu reflektieren und Perspektiven für die zukünftige Erinnerungsarbeit zu entwickeln.
Der Seminartag begann mit einer herzlichen Begrüßung und einem gemeinsamen Ankommen, das bereits Raum für erste Gespräche und Begegnungen bot. In der Einführung wurde deutlich gemacht, warum Erinnerung heute weit mehr ist als bloße Rückschau. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte wurde als Grundlage für Selbstverständnis, Zugehörigkeit und Verantwortung gegenüber kommenden Generationen verstanden. Gerade für junge Menschen stellte sich dabei die Frage: Wie kann historische Erfahrung in einer sich wandelnden Gesellschaft Identität stiften, ohne auszugrenzen oder zu verharren?
Im Mittelpunkt des Vormittags stand der Eröffnungsvortrag „Erinnerung und Identität im Wandel – Das Banat, die Donauschwaben, Sudeten und Siebenbürgen im Dialog der Geschichte“. In mehreren Kurzimpulsen wurden die historischen Erfahrungen der beteiligten Volksgruppen beleuchtet. Vertreterinnen und Vertreter der Banater Schwaben, Donauschwaben, Sudetendeutschen und Siebenbürger zeigten auf, wie unterschiedlich, aber auch wie ähnlich sich Wege von Ansiedlung, Verlust, Vertreibung, Neuanfang und kultureller Bewahrung gestalteten.
Der anschließende moderierte Austausch machte deutlich, dass Identität nicht statisch war, sondern sich im Spannungsfeld von Erinnerung, Gegenwart und gesellschaftlichem Wandel ständig neu formte. Eine zentrale Frage lautete dabei: Wie kann Erinnerung lebendig gehalten werden, ohne zur bloßen Traditionspflege zu werden? Ebenso wurde diskutiert, inwieweit der Dialog mit anderen Volksgruppen helfen konnte, die eigene Geschichte besser zu verstehen und in einen größeren europäischen Zusammenhang einzuordnen.
Im weiteren Tagungsprogramm rückte die Gegenwart in den Fokus. Die Jugendverbände stellten ihre aktuelle Arbeit vor und zeigten, mit welchen Projekten, kulturellen Angeboten und Bildungsformaten sie heute junge Menschen erreichen. Dabei wurde deutlich, dass sich viele Verbände ähnlichen Herausforderungen gegenüber sahen: Mitgliedergewinnung, veränderte Lebensrealitäten und die Frage, wie traditionelle Inhalte zeitgemäß vermittelt werden können. Hier stellte sich besonders die Frage: Wie kann Identität heute so vermittelt werden, dass sie für junge Menschen anschlussfähig und sinnstiftend bleibt?
In den anschließenden Workshops setzten sich die Teilnehmenden vertiefend mit diesen Themen auseinander. In der ersten Workshopphase stand die persönliche und kollektive Erinnerung im Mittelpunkt. Diskutiert wurde, welche Rolle Familiengeschichten, Rituale, Sprache und kulturelle Symbole für das eigene Identitätsgefühl spielten. Viele Teilnehmende berichteten, dass gerade der Austausch mit anderen Gruppen neue Perspektiven eröffnete und half, die eigene Geschichte bewusster einzuordnen.
Die zweite Workshopphase widmete sich der Zusammenarbeit und der Zukunft. Gemeinsam wurden Ideen entwickelt, wie die Jugendverbände stärker vernetzt werden könnten und welche gemeinsamen Projekte denkbar wären. Dabei ging es nicht nur um organisatorische Fragen, sondern auch um inhaltliche Ansätze: Wie kann Erinnerungsarbeit gemeinsam gestaltet werden, sodass sie über einzelne Gemeinschaften hinaus Wirkung entfaltet?
Den inhaltlichen Abschluss bildete eine gemeinsame Reflexion, in der die Ergebnisse zusammengeführt wurden. Dabei wurde deutlich, dass Erinnerung dann besonders wirksam ist, wenn sie geteilt, diskutiert und weiterentwickelt wird. Identität wurde nicht als starres Erbe verstanden, sondern als lebendiger Prozess, der Offenheit, Dialog und gegenseitigen Respekt voraussetzt.
Das DBJT-Geschichtsseminar 2025 hat eindrucksvoll gezeigt, dass Erinnerung und Identität keine Themen der Vergangenheit allein sind. Vielmehr bilden sie eine Grundlage für Begegnung, Verständigung und gemeinsames Handeln in der Gegenwart – und für die Gestaltung einer verantwortungsvollen Zukunft.
Von Jürgen Harich










