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Identität im Wandel

  • 21. Juni
  • 2 Min. Lesezeit

Kulturtagung des St. Gerhards-Werks zur Wendezeit 1989–2000




Welche Rolle spielten Kirche, Religion und kulturelle Traditionen für die Donauschwaben in den Jahren nach dem Fall des Eisernen Vorhangs? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Kulturtagung „Religion und Kirche im Umbruch 1989–2000“ des St. Gerhards-Werks am 12. Juni 2026 im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen.


Die politischen Veränderungen nach 1989 brachten den donauschwäbischen Gemeinschaften neue Freiheiten, aber auch tiefgreifende Umbrüche. Migration, gesellschaftliche Neuorientierung und der Verlust gewachsener Strukturen prägten vielerorts das Leben der deutschen Minderheiten in Südosteuropa. Kirche, Sprache, Kultur und Erinnerung wurden in dieser Zeit zu wichtigen Orientierungspunkten.


Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Rainer Bendel und Robert Pech M.A. beleuchteten Referentinnen und Referenten aus Deutschland, Rumänien, Ungarn und Serbien die Entwicklungen in den Herkunftsgebieten der Donauschwaben aus unterschiedlichen Perspektiven. Dr. Raluca Nelepcu aus Temeswar zeichnete den Weg der deutschsprachigen Presse in Rumänien von der Zensur zur Pressefreiheit nach und verdeutlichte deren Bedeutung für den Erhalt von Sprache und Identität. Mit den Folgen der politischen Wende für die katholische Kirche im Banat setzte sich Dr. Franz Metz auseinander. Er zeigte auf, wie die starke Auswanderung der deutschen Bevölkerung die kirchlichen Strukturen veränderte und neue Herausforderungen mit sich brachte.


Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Paneuropäischen Picknick bei Sopron im August 1989, das als Symbol für die Überwindung der Teilung Europas gilt. Dr. Kathi Gajdos-Frank und Dr. Bence Bauer beleuchteten die historische und gesellschaftliche Bedeutung dieses Ereignisses sowie dessen Wirkung bis in die Gegenwart.


Auch Fragen der Erinnerungskultur standen auf dem Programm. Dr. Snežana Stanković widmete sich den Erinnerungsdiskursen rund um donauschwäbische und jüdische Friedhöfe in Serbien und zeigte die Verflechtungen unterschiedlicher historischer Erfahrungen auf. Boris Mašić vom Donauschwäbischen Kirchenmuseum in Apatin berichtete schließlich über das Schicksal des deutschen Kultur- und Kirchenerbes in der Vojvodina und die Bedeutung seiner Bewahrung für kommende Generationen.


Die Tagung machte deutlich, dass die Jahre 1989 bis 2000 für die Donauschwaben weit mehr als eine politische Wendezeit waren. Sie bedeuteten zugleich eine Phase der Neuorientierung, in der traditionelle Bindungen und kulturelles Erbe neue Bedeutung gewannen.

Mit der Veranstaltung setzte das St. Gerhards-Werk seine seit 2023 bestehende Reihe zur Geschichte und Identitätsbildung der Donauschwaben fort und bot erneut eine Plattform für wissenschaftlichen Austausch und die Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe der Donauschwaben.


Von Jürgen Harich

 

 

 
 
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